Das private Bieterverfahren ist in anderen Ländern bereits seit längerer Zeit eine gängige Methode, wenn Immobilien den Besitzer wechseln sollen. Diese moderne Verkaufsmethode verlässt auch in Deutschland zunehmend ihre Nischenexistenz. Das auktionsähnliche Verfahren ist nicht nur bei Immobilien mit schwer einschätzbarem Marktwert eine große Hilfe, es erweist sich auch als effizienter Weg, wenn es um den schnellen Verkauf klassischer Immobilienobjekte geht.

Die entscheidene Frage im üblichen Verkaufsprozess ist immer die Festlegung des Wertes einer Immobilie. Wird dieser zu hoch angesetzt, findet sich kein Interessent, liegt er zu niedrig, drohen finanzielle Einbußen. Um einen realisierbaren Preis eines Objektes sicher festzustellen, gibt es einen einfachen Weg: Der Markt  bestimmt den Immobilienwert selbst - und zwar mittels der Gebote in einem privaten Bieterverfahren. Dieses Verfahren weist aus, welchen Wert die Immobilie am Markt tatsächlich haben kann.

Dieses Vorgehen ähnelt einer Auktion oder einer Versteigerung, ist aber in einem Punkt entscheidend anders: Am Ende steht die freie Entscheidung des Verkäufers, an wen und zu welchem Preis er seine Immobilie verkaufen möchte. Sollte dem Verkäufer keines der Gebote zusagen, steht es ihm frei, diese allesamt auszuschlagen.

Der Ablauf des Verfahrens ist unkompliziert und kann den Verkauf einer Immobilie deutlich verkürzen. Dies ist nicht nur dann interessant, wenn eine Immobilie relativ rasch veräußert werden soll, etwa weil entschieden werden muss, ob eine Erbschaft angenommen wird oder Bankforderungen erfüllt werden müssen, sondern auch, wenn Eigentümer aufgrund privater Situationen, wie Jobwechsel, Trennung, Krankheit o.ä. die Immobilie zügig verkaufen wollen.

In der Regel wird die zu verkaufende Immobilie im Verkaufsprozess unter dem Hinweis auf das Bieterverfahren in den Immobilienportalen und Printmedien vorgestellt, ein Exposé mit aussagekärftigen Informationen erstellt und mögliche Interessenten kontaktiert. Die Präsentation erfolgt dabei meist ohne preisliche Angaben. Es kann jedoch auch ein Mindestgebot genannt werden. Aufgrund des niedrigen Angebotspreises werden sich viele Kaufinteressenten melden. Die Interessentenn werden vom Makler zunächst nochmal darauf hingewiesen, dass sich der Verkäufer für das private Bieterverfahren entschieden hat. Alle ernsthaften Kaufinteressenten werden anschließend zu einer Open-House-Besichtigung eingeladen. Die potenziellen Käufer können sich beim Besichtigungstermin einen fundierten Eindruck von der Immobilie machen und erhalten vom Makler als notwendigen Objektunterlagen, die für eine konkrete Finanzierungsprüfung einer Bank benötigt werden. Der Makler steht im Besichtigungstermin natürlich für direkte Fragen und Auskünfte zur Verfügung. Gegebenenfalls wird ein weiterer Besichtigungstermin mit einer Vorauswahl an Interessenten durchgefüht, um die Immobilie mit einem neutralen Sachverständigen zu prüfen.

Nach der Besichtigung haben die Interessenten Zeit, sich mit der Abgabe eines Kaufpreisangebots beim Makler zu melden. Diese Frist bis zur Abgabe wird vom Verkäufer in Absprache mit dem Makler festgesetzt. Begleitend zu dem Gebot ist eine Finanzierungszusage von Kreditinstituten oder ein Bonitätsnachweis einzureichen. Der Verkäufer sichtet zusammen mit dem Makler die abgegebenen Gebote. Ist keines der Gebote akzeptabel, kann der Verkäufer an dieser Stelle das Verfahren ohne Verkauf abschließen. Meist sind jedoch unter den Offerten eine oder mehrere, deren Preisangaben den Vorstellungen des Verkäufers nahekommen. Mit einem dieser Interessenten werden anschließend die Details verhandelt, welches Gebot zum Zuge kommt, bestimmt wiederum der Verkäufer.

In der Regel ist nach spätestens zwei bis drei Monaten klar, ob die Immobilie verkauft werden kann oder nicht. Durch eine gezielte Verknappung kann mitunter der beste Verkaufspreis für Ihre Immobilie erzielt werden.

Das private Bieterverfahren endet, sofern alle Beteiligten sich über die Konditionen einig sind, mit der notariellen Beurkundung des Kaufvertrags.

Fazit: Das Bieterverfahren ist eine lohnenswerte Alternative zum klassischen Immobilienverkauf. Es kann innerhalb kurzer Zeit zum Abschluss gebracht werden und der zeitliche Aufwand ist gegenüber dem klassischen Verfahren, eine Immobilie am Markt zu platzieren, deutlich reduziert. Von eBay wissen wir, dass Auktionen oft höhere Preise erzielen als Festpreisangebote. Ein niedriger Preis klingt zunächst verlockend und zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Man beschäftigt sich dann näher mit der Sache und das Interesse wird größer, weil immer überlegt wird, ob einem die Sache nicht doch mehr wert ist. Mit dem privatem Bieterverfahren werden marktgerechte Preise erzielt und die Konkurrenzsituation zwischen den Käufern unterbindet zu niedrige Angebote von Spekulanten oder Schnäppchenjägern.

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